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Die Söhne Mannheims “erzählen”.

Bildschirmfoto 2017-08-12 um 15.08.43Wir haben die erfolgreichste und älteste Boygroup Deutschlands getroffen! Die unbeugsamen Idealisten erklären warum sie in letzter Zeit gefeiert aber auch kritisiert werden und was in den USA aus dem Ruder gelaufen ist.

Wie unterscheidet sich euer neues Album von den anderen; habt ihr euch entwickelt, haben sich eure Songs entwickelt?

Billy: Es unterscheidet sich insofern, dass ich mehrheitlich an den Reglern sass. Ein weiterer Unterschied ist, wir haben wir uns sicherlich alle auch persönlich verändert und weiterentwickelt. Einige von uns sind in den letzten Monaten zum Beispiel Papa geworden, auch das hat einige von uns verändert.

Ihr seid die älteste Boygroup Deutschlands. Gibt es ein Rezept für so eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit?

Michael: Für uns war dies immer ein ganz natürlicher Prozess und wir hatten wohl Glück. Ganz wichtig: man darf nicht zu oft in den Spiegel schauen.

Habt ihr Jungs auch mal Meinungsverschiedenheiten untereinander?

Rolf: Auf jeden Fall – wir diskutieren ständig und erfinden uns neu und reden viel und sehr intensiv miteinander – aber das ist eigentlich auch dass, was Freunde, Kumpels und die Söhne ausmacht.

Was ist die eigentliche Message von euren Songs? Welche Message liegt euch besonders am Herzen?

Rolf: Es gibt ein Lied das heisst „Deine Waffe ist die Liebe“ ich denke mal das ist eines der elementaren Dinge und wir sind eigentlich auch angetreten, Brücken zu bauen – dieses Teile und Herrsche darf es nicht mehr geben. Man muss wirklich schauen und sich auf den Menschen konzentrieren – ich denke, dass es gerade wichtig ist, insbesondere in der jetzigen Zeit sich mal wieder zusammen hinzusetzen und zusammen zu diskutieren statt aufeinander einzuschlagen. Man muss sie nicht immer alles gutheissen aber wenigstens mal verstehen und wahrnehmen. Wir sind jetzt seit 20 Jahren grösstenteils zusammen – wir sind in der ständigen Veränderung wie die Welt auch. Eines der Hauptanliegen muss immer sein, dass man miteinander respektvoll umgeht.

Michael: Es ist uns auch wichtig, die Gesellschaft immer wieder zu reflektieren und nicht nur immer von schönen Dingen zu singen. Gerade in einer Zeit wo sich die Leute einfach zu weit ablenken lassen und wenn die Leute durch so alte Säck wie uns auf etwas hingewiesen werden, dann ist das sicherlich einer unserer Ziele. Gefühle und Messages zu transportieren ist uns auf jeden Fall ganz wichtig.

Ihr habt bereits gesagt, dass ihr Alle ein ähnliches Gedankengut teilt. Wie sieht es beim Texten aus? Kommt ihr euch da nie in die Quere und wie findet ihr einen gemeinsamen Nenner?

Rolf: Oft gibt es einen Grundfunken und oft finden wir uns darin. Der Billy schaut oft das wir einen roten Faden reinkriegen. Wir sind alles sehr bunt, dass gilt für die Hautfarben aber auch für unseren bunten Gedanken und Texte. Die Söhne leben von dem Reiben aneinander und diese Art uns zu finden ist beim Texten ganz klar der Fall.

Wieso gibt es keine Frauenstimme bei den Söhnen?

Rolf: Es gab damals einfach keine gute oder passende Frauenstimme in unserem Freundeskreis. Zudem wir haben bisher einfach noch keine Frau gefunden die unser Testosteron aushalten würde! Gelächter….

 Was haltet ihr von TV-Castingshows?

Billy: Ich finde es schlimm, dass die jungen Leute so schnell verbraucht werden. Das ist eine Katastrophe. Xavier hat es mal treffend gesagt, ein Künstler benötigt sieben Jahre um zu reifen.

Rolf: Die Seele eines Menschen ändert sich auch alle sieben Jahre.

Billy: Ich denke, da ist sicher etwas dran. Bedenklich ist, von dem meisten jungen Teilnehmern, hörst du bereits nach wenigen Wochen nie mehr etwas. Wenn sie danach als Musiker weiter arbeiten und sich entwickeln können, dann hat sich es gelohnt aber sonst absolut nicht.

Rolf: Max Mutzke hat als einer der wenigen Teilnehmern der einen echt tollen Job gemacht.

Billy: Die jungen Musiker werden oft medial und mental total zerschossen. Wir raten hört damit auf und boykottiert TV-Castingshows. Es gibt gute Talentshows für Jazzmusiker etc. aber diese TV-Shows bitte lasst einfach die Finger davon.

Rolf: Auf jeden Fall ist es quatsch zu denken, man wird in einer Castingshow ein Star. Oft haben die jungen Teilnehmer die eine Haltbarkeit einer Yoghurt.

Michael: Es heisst ja Casting-“Show”: Deshalb kann man nur raten, lasst die Finger davon!

Rolf: Ich sass in der Jury von “The Voice” in der Schweiz zusammen Marc Sway. Ich habe es dort am eigenen Leib miterlebt. Da geht es nicht um die jungen Künstler, da sagt die Redakteurin was die tun sollen, da geht es rein um die Einschaltquoten.

Was haltet ihr von Trump & Co?

Michael: Jetzt sind wir fast wieder bei der Castingshow. Trump hat ja eine Castingshow gehabt. Die Frage ist doch, was hat passieren müssen, dass so Leute wie Trump und Co überhaupt so weit kommen konnten? Jetzt mit den Fingern auf die Leute zu zeigen ist sehr einfach und auch sehr populistisch. Die eigentliche Scheisse haben die Leute davor gebaut und das ist wohl etwas extrem etwas schief gelaufen. Das Vertrauen der Leute wurde verspielt und dann muss man sich nicht wundern, dass so Dinge passieren.

Michael: Es finden ja immer noch demokratische Wahlen statt und die Leute haben entscheiden, dass sie diese Politiker an der Macht wollen und das ist doch das eigentliche Problem. Ich weigere mich daher auch zu sagen, dass sind die Bösen. Wir müssen uns doch Fragen stellen was ist da passiert, dass es so weit kommen konnte und wie kommen wir da wieder raus. Die Demokratie ist auch etwas bei der wir auf die Schattenseiten hinweisen müssen. Diese Demokratie wir oft als die heilige Kuh deklarieren, ist sie aber längst nicht mehr. Die Demokratie lebt auch von vielen Lügen und der Propaganda und das geben unsere Politiker auch zu. Zudem, die Leute sind ja auch nicht blöd. Wir hatten doch auch schon ganz üble Politiker an der Macht und für uns ist es oft unerträglich. Die grosse Frage ist doch definitiv, was läuft hier aus dem Ruder dass so was immer wieder passieren kann.

Die Medien beschäftigen sich im Moment oft mit euch. Habt ihr eine Message an die Medien?

Michael: Das Thema ist so komplex und jeder von unserer Teammitglieder hat eine eigene Meinung über diesen Song und Text. Das was momentan abläuft ist total lächerlich, weil uns werden Worte so was von verdreht und aus dem Kontext gerissen und dementsprechend unterstellt. Deshalb, macht uns den Gefallen und lest den Text selber durch! Lasst euch nicht “erzählen” was da drin steht.

Rolf: Wir glauben an die Wortgewalt. Deshalb redet miteinander und diskutiert miteinander.

Gibt es einen Unterschied zwischen den Schweizer und den deutschen Fans?

Die Schweizer sind textsicherer als die deutschen Fans.

Die Ehe für alle kommt – das hat eine Mehrheit de Abgeordneten Ende Juni im Bundestag beschlossen. Was ist eure persönliche Meinung zu diesem Entscheid?

Michael: Ich persönlich werde nicht davon Gebrauch machen, klar ist es für mich natürlich okay. Generell gilt für mich die Ehe  hinterfragt! Aber ich weiss, es gibt Menschen die macht das Konstrukt glücklich, insbesondere Frauen. Und wenn es Menschen glücklich macht, ist es sicher eine feine Sache

Rolf: Mir ist egal, ob jemand eine Frau oder eine Mann liebt, die Hauptsache ist, dass man liebt.

BP : Billy, willst du noch was sagen? Nein danke, der Rolf hat immer das Schlusswort (Gelächter….)

( Foto: Rolf Stahlhofen, Rahel Martens, Billy Davis, Michael Klimas)