Rowena Bird
Die Mitarbeiter von Rowena Bird (Gründerin von Lush) protestieren als Tiere verkleidet gegen Tierversuche, gehen gegen Folter auf die Strasse oder verkaufen nackt, um auf überflüssige Verpackung hinzuweisen. LUSH-Produkte tun nicht nur gut, sie tun auch Gutes. Die Engländerin, 51, Managerin „der restlichen Welt“, war schon dabei, als vor mehr als 25 Jahren die Vorgängerin Cosmetics To Go (CTG) pleite ging. Und sie war dabei, als 1994 wie ein Phönix aus des- sen Asche LUSH erstand: schillernd, bunt und duftend.
Black Paper: Rowena, ist alles rosarot und wunderbar im LUSH-Land?
Rowena Bird: Nein, natürlich nicht. Die Verkäuferinnen in den Läden sollten zum Beispiel mehr verdienen. Das wollen wir demnächst angehen.
Macht euer Verkaufspersonal freiwillig mit bei euren verrückten Marketingaktionen oder verknurrt ihr sie dazu?
Niemand wird gezwungen, irgendetwas zu tun. Das ist es ja, was die Arbeit bei LUSH ausmacht: Fun. Wir lieben einfach Kostüme. Und Schoko- lade.
Wie steht ihr zu Body Shop, für den ihr ja früher Produkte entwickelt habt.
Wir haben heute keine Verbindung mehr und fin- den es etwas traurig, dass er an L’Oréal verkauft wurde. Body Shop ist nicht mehr der Brand, der er einmal war.
Was ist das Allerbeste an LUSH?
In England haben wir den Ausdruck „Opportuni- ty Hangs in the Air“, es liegen Möglichkeiten in der Luft. Und bei LUSH ist das wirklich wahr.
Du musst sie nur packen.
Erfindest du immer noch Produkte für LUSH? So hattest du ja begonnen.
Ja, doch! Ich arbeite auch gerade an etwas. Wir sind zu viert, die Produkte kreieren. Wir testen sie an uns selber und wenn wir zufrieden sind, präsentieren wir sie den anderen. Die machen dann mehr Tests – (flüstert) an Menschen, of course! Es ist schon ungewöhnlich, dass wir Gründer im- mer noch selber Produkte kreieren.
Woran arbeitest du denn?
(quietscht) Das ist GEHEIM! … Es ist etwas fürs Haar, das nicht mehr verpackt werden muss.
Du siehst fantastisch aus, Rowena.Welche Pro- dukte benutzt du?
(lacht) Danke! Ich benutze Gorgeous, eine super Feuchtigkeitscrème. Dark Angles, das beste Peeling – auch wenn ich es nicht erfunden habe.
Ultrabland, eine Reinigungspaste – sie ist etwas gewöhnungsbedürftig, weil sie so dick ist, aber einfach fantastisch. Und dann die Gesichtsmasken natürlich. Sie sind ganz frisch und ohne Kon- servierungsstoffe.
Verderben sie nicht schnell?
Doch. In drei Wochen (guckt verschmitzt).
Und dann?
Da wir in Kilo-Portionen produzieren, können wir sie meistens verkaufen. Aber es ist ja alles kompostierbar. Nichts geht in den Abfall. Aber lasst mich von unserer letzten Neuheit erzählen! Toothy Tabs: kleine, weiche Tabletten. Du zerkaust sie und putzt damit die Zähne – ganz ohne Abfall. Denk nur an all die Zahnpastatuben, die wir wegwerfen. Toothy Tabs werden in Karton verpackt und der wird natürlich recycelt.
Die Tabs patentiert ihr sicher.
Klar! Wir haben schon 47 Erfindungen angemeldet. Das sind bestimmt mehr als alle anderen in der Kosmetikindustrie.
















